Unterstützen Sie uns im Kampf gegen die
Lichtverschmutzung
von Klaus Augustin

Sicherlich erhitzt kein Begriff das Gemüt eines Hobbyastronomen (und auch meins) so sehr wie das Thema „Lichtverschmutzung“. Der Begriff an sich ist eigentlich auch nicht ganz korrekt... Denn Licht kann man ja gar nicht verschmutzen. Gemeint ist damit die manchmal leider unvermeidliche, sehr oft aber sinnlose „Verschmutzung“ des nächtlichen Himmels mit künstlichen Lichtquellen.

Ich kann mich noch gut an ein Erlebnis aus dem Jahr 1976 erinnern. Ich war damals mit meiner Schulklasse zu Gast im Schullandheim Lieberhausen bei Gummersbach im Sauerland. Wir machten eine Nachtwanderung.

Nach ungefähr einer Stunde Fußmarsch erreichten wir auf einem Hügelgipfel eine Lichtung mit einer Wiese. Der Himmel war kristallklar. Der zunehmende Halbmond stand leicht gelblich-rot angehaucht untergehend im Südwesten. In den Tälern war es leicht nebelig und dunstig, die Luft war herrlich frisch und duftete nach Heu und Holz. Am samtschwarzen Himmel funkelten die Sterne. Einige waren hell und schienen zum Greifen nah. Noch eindrucksvoller war aber das Gewimmel von Tausenden schwachen und schwächsten Sternchen. Dazu spannte sich über uns ein Traum von Milchstraße. Das schwach leuchtende Band erstreckte sich vom tiefstehenden Mond im Südwesten über den Schwan im Zenit bis hinunter zur aufgehenden Feuerflamme des Jupiter im Nordosten, der sich anschickte, den Mond als Glanzlicht am Himmel abzulösen. Trotz des Mondes zeigte die Milchstraße einen Reichtum an Strukturen, Bändern und Knoten, den ich zuvor im Leben noch nie gesehen hatte.

Ich lag wie gebannt auf der Wiese und tauchte mit dem Feldstecher in die tiefen der Milchstraße ein. Dichte Sternwolken bildeten mit eingelagerten, tiefschwarzen Dunkelwolken einen eindrucksvollen Kontrast. Hin und wieder stieß ich auf den einen oder anderen Kugelsternhaufen, die im Feldstecher wie neblige, unscharfe Sterne aussahen. Welches erhebende Glücksgefühl ich dabei empfand, kann ich mit Worten kaum beschreiben. Und so richtig nachempfinden können es wohl nur diejenigen, die Ähnliches selbst schon einmal erlebt haben...


Die Milchstraße - eine Legende aus vergangenen Zeiten?

Erlebnisse, wie oben geschildert, drürften heutzutage die absolute Ausnahme sein. Denn selbst in Gegenden, die vor 2 oder 3 Jahrzehnten noch als absolut dunkel galten, hat die Lichtverschmutzung inzwischen so weit Einzug gehalten, daß die Beobachtung des gestirnten Himmels selbst dort nur noch unter mehr oder weniger starken Einschränkungen möglich ist.

Ist es nicht traurig, daß wir uns nur noch unter dem künstlichen Sternenhimmel eines Planetariums an einem ästhetischen Himmelsanblick erfreuen können?

Tatsache ist auf jeden Fall, daß man heute sehr lange Autofahrten oder gar Flugreisen in Kauf nehmen muß, wenn man mal einen ungetrübten, echten Sternenhimmel in Natur erleben möchte.


So ungefähr müßte die Himmelsgegend um das Wintersternbild Orion aussehen...


... Und das ist heute leider bittere Realität.


Der Himmelsanblick heute - ein trauriges Spiegelbild unsrer gegenwärtigen
Konsum- und Wegwerfgesellschaft

Wer ist für das traurige Dilemma verantwortlich? Kurz gesagt, wir. Zunächst sind es diejenigen, die es meist unbewußt, aktiv tun. Und dann sind da noch diejenigen, die dem oft tatenlos zusehen, also wir alle!

Durch mehr oder weniger sinnvolle Gesetze schützen wir heute mehr oder weniger effektiv das Wasser, die Luft und den Boden. Aber wer schützt den nächtlichen Sternenhimmel?


Ein paar Beispiele für aktive Lichtverschmutzer:

- Stadtplaner, die Straßenlaternen aufstellen, die die Umgebung ausleuchten, anstatt die Straße

- Die Werbeindustrie mit ihren riesigen, während der gesamten Nacht hell erleuchteten Webetafeln

- Unternehmen, die den Himmel z.B. mit Skybeamern als kostenlose Werbefläche mißbrauchen

- Industrieanlagen, die mit ihrer notwendigen, oft aber ineffektiven Sicherheitsbeleuchtung mehr die   Umgebung als die eigentliche Anlage beleuchten

- Städte, die sinnlos Scheinwerfer gegen den Himmel richten und dies als „Kunst“ bezeichnen

- Landwirte, die ihren Hof während der Nacht mit einer unverwechselbaren Festbeleuchtung ausstatten

- Privatpersonen, die es übertrieben gut mit ihrer Haus- und Gartenbeleuchtung meinen


Ich will hier weder jemanden persönlich zu nahe treten noch irgendwelche Leute an den Pranger stellen. Sicherlich ist den entsprechenden Personen gar nicht bewußt, was sie mit ihrer „zu gut gemeinten“ Beleuchtung eigentlich anrichten. Oft sind es nur kleine Veränderungen, die die Lichtemissionen auf ein erträgliches Maß reduzieren oder sogar ganz verhindern. Nicht selten helfen diese Maßnahmen sogar, langfristig spürbar Energiekosten einzusparen.

Dabei geht es nicht nur darum, einigen versnobten Sternenguckern einen ungetrübten Blick auf den Sternenhimmel zu ermöglichen. Inzwischen sind zahlreiche Insektenarten (z.B. Glühwürmchen) , für die die nächtliche Dunkelheit zur Fortpflazung überlebensnotwendig ist, vom Aussterben bedroht. Und es ist ja allgemein bekannt: Jede Nahrungskette, an deren Ende oft der Mensch steht, ist letztendlich nur so stark wie ihr schwächstes Glied.

Außerdem wirkt sich die Lichtverschmutzung auch auf unsere Gesundheit aus. Die Nacht ist von Natur aus nun einmal dunkel und zum schlafen da. Und daß Schlafstörungen zu den häufigsten Zivilisationssymptomen der heutigen Zeit zählen, kommt wohl nicht von ungefähr...


Wir wollen niemanden an den Pranger stellen, sondern überzeugen.
Helfen Sie uns!

In einigen Ländern gibt es inzwischen sogar Gesetze, die übermäßige Lichtemissionen verbieten. Bei uns gibt es sie leider noch nicht. Gibt es landesweit keinen einzigen Politiker oder Bürgermeister in einem astronomischen Verein, die sich trauen, dieses Thema zu popularisieren? Oder sind, wie fast immer, die Lobbyisten in unserem Land zu stark?

Nun, besser als jedes Gesetz oder Verbot ist es, die Leute zu überzeugen. Falls Sie persönlich zu den „aktiven Lichtverschmutzern“ gehören, macht nichts! Gehen Sie mit gutem Beispiel voran und zeigen Sie allen, wie man es besser macht! (Links zu entsprechenden Internetseiten finden Sie weiter unten im Text) Falls sie zu den „passiven Lichtverschmutzern“ gehören: Kennen Sie den einen oder anderen „aktiven Lichtverschmutzer“ vielleicht persönlich? Wenn ja, versuchen Sie ihn doch einfach mal zu überzeugen. Argumente gibt es reichlich:

Muß eigentlich jede Straße nachts durchgehend beleuchtet werden? Wenn Straßenlaternen ausgetauscht werden: Was spricht dagegen, demnächst Modelle einzusetzen, die wirklich die Straße und nicht die Umgebung beleuchten oder gar die Verkehrsteilnehmer mit ihrem Streulicht blenden?

Muß jede Werbetafel eigentlich die ganze Nacht durch leuchten, auch wenn zu nachtschlafender Zeit niemand mehr hinschaut?

Skybeamer entfalten ihre volle Wirkung bei Nebel, Dunst oder bewölktem Himmel. Könnten die nicht während der wenigen klaren Nächte abgeschaltet werden? Außerdem: Schon oft haben bewegliche Skybeamer Verkehrsteilnehmer derart stark irritiert und abgelenkt, daß es deswegen schon häufig zu Verkehrsunfällen gekommen ist. Empfielt es sich daher nicht, allein schon aus Verantwortungsbewußtsein gegenüber unseren Mitmenschen, schon von vornherein auf diesen Schwachsinn zu verzichten oder zumindest den Betrieb dieser Anlagen auf eine begrenzte Anzahl an Tagen pro Jahr zu beschränken?

Ist es für landwirtschaftliche Betriebe heute überlebensnotwendig, diese während der Nacht in hell beleuchtete Lichterinseln umzuwandeln?

Erschreckend ist für mich, daß auch immer mehr Privatpersonen dem Beleuchtungswahn verfallen. Egal, ob großer oder kleiner Geldbeutel - da werden Haus und Garten derart ausgeleuchtet, als ob es sich um das 8. Weltwunder handelt. Es freut mich ja wirklich für diejenigen, die es sich wohl leisten können... Aber ist eine astronomische Stromrechnung wirklich das, was das Leben lebenswert macht?

Und daß eine nächtliche Festbeleuchtung Diebe und Einbrecher abschreckt, ist ein Argument, daß wohl nur noch von denen vertreten wird, die daran verdienen. Tatsache ist, daß ein großer Teil der Haus- und Wohnungseinbrüche während der hellen Tagesstunden geschehen. Und ein ungebetener nächtlicher Besucher hat sich schon längst auf die neue Situation eingestellt: Für ihn ist es ein Vorteil, daß er sich um das Licht nicht mehr kümmern muß und so beide Hände frei hat, um noch schneller und effektiver „arbeiten“ zu können. Zur Verbrechens-Vorbeugung stehen heutzutage wirklich bessere und effektivere Möglichkeiten zur Verfügung.


Ein nützlicher Beitrag für unsere Umwelt!

Es sprechen nicht nur umweltschutztechnische Gründe dafür, unsinnige Lichtemissionen in den nächtlichen Himmel zu vermeiden, sondern auch wirtschaftliche. Es ist schon eigenartig, wie die heftig Öffentlichkeit regiert, wenn die Energieversorger mal ihre Preise um ein paar Prozentpunkte anheben, während andrerseits Geld durch unnütze nächtliche Beleuchtung beidhändig zum Fenster hinausgeworfen wird... Wieviele Millionen oder gar Milliarden Euro ließen sich dadurch wohl einsparen?

Viele nützliche Hinweise, u.a. zu den Themen „Lichtverschmutzung“ und „sinnvolle Beleuchtungsplanung“ finden Sie unter den folgenden Links:


www.astronomie.de/bibliothek/initiativen/darksky

Homepage der Initiative gegen Lichtverschmutzung

www.arge-helep.de/Naturschutz-Frankfurt/DarkSky/Lichtverschmutzung

www.astrogalaxie.de/Lichtverschmutzung


Tausende weitere Links zum Thema finden Sie, wenn Sie z.B. bei www.google.de „Lichtverschmutzung“ als Suchbegriff eingeben.


Machen Sie mit - es profitieren alle!

Ein wahrscheinlich unerfüllbarer Wunschtraum vieler Hobbyastronomen und auch von mir ist natürlich, daß wir den Sternenhimmel in absehbarer Zeit wieder so erleben können, wie er früher einmal war. Das erste bescheidene Etappenziel wäre es, erst einmal die weitere Zunahme der Lichtverschmutzung zu stoppen. Wenn wir alle dazu einen kleinen Beitrag leisten und jeder einzelne von uns dafür sorgen könnte, daß auch nur eine sinnlose Lichtquelle nachts abgestellt wird, wären wir auf einem guten Weg. Und es profitieren wirklich alle:

- Unsere Umwelt, die eine dunkele Nacht genauso dringend benötigt wie einen strahlend hellen Tag

- Die ehemaligen „Täter“, denn eine abgeschaltete Lichtquelle ist nie defekt und kostet weder Wartung noch Energie

Und letzendlich profitieren auch wir Hobbyastronomen und mit uns die gesamte Menschheit: Denn wir erhalten eines der schönsten und kostbarsten Güter:

Den einmaligen, gestirnten Himmel in seiner vollen Pracht und Vielfalt.